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Grundschule Clauen/ Einschulung: 11.Aug. 1969 ( vor 40Jahren...)

(Rüdiger, 1. Reihe, 4. von rechts)


Herr Weihkopf  vom Bestattungsinstitut Weihkopf in Clauen/Hohenhameln gab mir dieses Bild und erzählte, dass selbst sein Sohn, der am 27.06.2001 bei der Überführung aus der Gerichtsmedizin Frankfurt mitgeholfen hat, erschüttert war, als er in Rüdiger seinen damaligen Schulkameraden erkannte. Wir wollten ihn so in Erinnerung behalten, wie er mal war.... 



Rüdigers Kinderzeit. Rüdiger ( vorne rechts) beim Baden.


25 Jahre ist das nun her....Partys gab es jede Menge zu der Zeit. Diese fand im Hobbyraum von Rüdis Eltern statt. 


Rüdiger und seine Oma Erna aus Hämelerwald! Ihr Traum war es einmal zu fliegen und so spendierten wir ihr zum 80. Geburtstag einen Linienflug Frankfurt am Main nach Hannover. Die Stewardess war natürlich von uns "eingeweiht" und so wurde Oma dann ganz speziell an Bord der Boing 737 gebeten...: "Frau Erna Jung, bitte zum Ausgang rechts". Oma hat vor Aufregung noch ihr Flugticket verloren, aber sie durfte dennoch als erste in Bord. Wohlbehalten wurde sie vom Rest der Familie in Hannover in Empfang genommen.

Oma starb Ende Dezember 1999, einen Tag bevor wir in unser neues Haus einziehen konnten. Sie liegt auf dem gleichen Friedhof auf dem wir Rüdiger am 29.06.2001 beerdigen mussten...


Trip zu den Niagara- Fällen im Zuge eines Auslandsaufenthaltes gesponsert durch die Firma Blaupunkt, Hildesheim (Rüdiger, 3. von links). 
Auf dem Dachboden unseres Hauses in Alzenau hatte ich 2001 diese Bilder wiedergefunden. Es war auch eines vom World Trade Centre in New York unter ihnen.... ich dachte dabei, wie vergänglich doch alles ist und wieviel Leid aus einem einzigen Augenblick heraus entstehen kann.


v.l.n.r.: Rüdiger, seine Mutter, sein Bruder. Anlass war ein Geburtstagsfest. Wenn ich an Rüdi denke, dann denke ich gleich danach auch an meine Schwiegermutter und daran, wie sehr sie um ihren Sohn trauert. Niemand kann uns diesen Schmerz abnehmen. Die Trauer ist auch nach über 8 Jahren gegenwärtig. Mit den Jahren verblasst einiges - ein bitteres Gefuehl bleibt dennoch. Die meisten aus unserem damaligen Freudeskreis koennen bereits an ihrem 50. Geburtstag denken... Rüdi konnte seinen 40. nicht mehr erleben...


Zu vorgerückter Stunde bei Freunden auf dem Sofa. Schon damals waren wir überzeugt davon, dass wir noch viele Dinge gemeinsam erreichen wollten...


Immer relaxt und niemals so richtig genervt. Rüdiger kannten alle als ruhigen und besonnenen Menschen. Ihn konnte selten etwas aus der Ruhe bringen. Dies Foto ist wohl circa 20 Jahre alt.
(Einer der wenigen Schnappschüsse, bei denen er sich nicht unwillig mit den Worten "ach pack doch das Sch....ding weg.." zur Seite gedreht hat wenn er merkte das jemand die Kamera zückt um Fotos zu machen).


Wann wir das erste Mal darüber nachgedacht hatten doch noch zu heiraten, wussten wir später nicht mehr. Als wir es dann taten ging es uns fast zu schnell. Rüdiger war froh, dass er noch eine Kravatte im Gepäck hatte, damit das Ganze einen seriösen Eindruck machte. Ich selber ging in kurzen Hosen und Badeanzug... Für Blumen war es an dem Tage einfach zu heiss mit 34 Grad und Sonne pur.

Dieses Foto entstand am Mittwoch, den 19.10.1994 um 12:00 Uhr mittags vor der Town Hall in Paphos, Republik Zypern.    Eigentlich wollten wir nur die Stadthalle besichtigen... so schnell kann 's gehen *grinzzzzzzz*
Bei allen Hochs und Tiefs, die wir hatten: In den Jahren danach haben wir noch oft über die ganze "Aktion " gelacht.  

"Frisch Vermählte lassen grüssen! "
Zu diesem Zeitpunkt hatte unsere Familie in Deutschland noch keine Ahnung, was wir "getan" hatten (wir auch nicht:-))  An diesem Abend wurde erstmal spontan gefeiert -  einer der Zyprioten, die wir kennengelernt hatten, überraschte uns mit einer Party, die er für uns organisiert hatte. Ganz traditionell flogen die Teller beim Tanz, zuvor gab es erst mal einen Schampus zum anstossen. 


Unsere erste Station im Süden der Republik September 1997.
Was für ein Ortsname: Bruchköbel- Niederissigheim, wo hat man sowas schon mal gehört? Und was für eine Bude! Nun, aller Anfang ist schwer, aber die Idee zu bauen wuchs bei jeder Gelegenheit. Das passende Stück Land zu finden war nun eine Frage des Glückes, Mut, Zeit und Geld.


In der Zwischenzeit nutzten Rüdiger, meine Freundin und ich oft die Gelegenheit zusammen Motorad zu fahren. Unsere Freunde waren schon einige Jahre zuvor aus Norddeutschland in den Taunus gezogen. Nach unserem eigenen Umzug nach Bruchköbel sahen wir uns wieder öfter, es waren ja "bloss" 90 Kilometer, statt vorher 400. Diese Tour hier führte uns mal wieder zum Nürburgring auf die Nordschleife.


Das war schon was! Eineinhalb Stunden nur um ein Verdeck zu öffnen und wieder zu schliessen. Unser Freund Martin war wie immer die Ruhe selbst ;-)

Rüdi hantierte kopfüber im Auto um den Hebel zum Befestigen des offenen Verdecks zu finden.
Sein Kommentar später war kurz und bündig: "Shit, das nächste Cabrio hat ein elektrisches Verdeck".
An diesem Abend konnten wir dann tatsächlich noch etwa 20 Minuten offen fahren.....


Rüdiger und Stefan (Lieblingsschwager) im August 1999 bei einem Ausflug im Spessart.... wir liefen über Stock und Stein.... im Hahnenkamm kehrten wir ein.... Auf jeden Fall hatten wir allesamt viel Spass an diesem sonnigen Augustsamstag.
Mein Bruder schrieb dazu: "Danke für das Foto, ich kann mich nur zu gut daran erinnern"
Wir hätten alle nicht gedacht, dass es einer der letzten Ausflüge sein sollte...

Waldlauf nach Michelbach. August 1999. Mein Bruder Stefan war zu Besuch aus dem Norden angereist um uns beim Hausbau zu helfen. Ein wenig Freizeit wollten wir dennoch dazu nutzen um ihm die wunderschöne Gegend um Aschaffenburg herum zu zeigen.

Der Aussichtsturm auf dem Hahnenkamm in Unterfranken. Unser Haus konnten wir von dort oben nicht sehen, aber die Aussicht bis nach Frankfurt war toll. Rüdiger war begeistert und Stefan nutzte die Gelegenheit um wieder mal zu fotografieren (an dieser Stelle: "Hallo kleiner Bruder, vielen vielen Dank dass Du mit Deiner Kamera so fleissig geknipst hast! Dies sind einige wenige Bilder aus der letzten Zeit mit Rüdi.") Ich selbst habe seitdem immer eine Kamera dabei.... man weiss ja nie, ob es das letzte Foto ist...

Nach dem "Aufstieg" zum Hahnenkamm war eine Stärkung fällig. Der Heimweg kommt bestimmt.


Unsere Bausstelle in Michelbach. 
Wir waren 1997 von Hannover zunächst nach Bruchköbel (Gott was für ein Name) ins "hessische" gezogen um 2 Jahre darauf weiter ins "unterfränkische" zu ziehen. Was haben wir geschuftet um uns diesen Traum zu verwirklichen. Einen Sommer lang waren wir hier glücklich. Nach dem Tode von Rüdiger war mir das Haus Zuflucht und Burg, Gefängnis und Isolierung zugleich. Den Gedanke aufzugeben was uns mal wichtig war, konnte ich zunächst nicht ertragen, als ich diese Fotos fand. Rüdi war stolz wie sonstwas ( sieht man doch hier auf dem Foto ganz deutlich...). Los ging es im Januar 1999... bis zum ersten Spatenstich und diesen Fotos sollten noch etwa 8 Monate vergehen...

Rockwell Golde/ Meritor Frankfurt/Main 2001

Und zwischendurch immer wieder fleissiges Arbeiten und Geldverdienen. Rüdiger Anfang 2001 im Büro. Gegenüber sitzt mein Namensvetter. "Hallo Ernst, sorry das das Foto so schlecht ist - ich habe es wohl   "vermurkst "  beim bearbeiten. Tja, die Firma Meritor gibt es in der Zwischenzeit in Frankfurt nicht mehr......

Hausbau - Stress - Stress - Stress

Wir erlebten "hautnah" was es bedeutet, wenn der Bauträger in Konkurs geht und nichts mehr passiert. Es hat uns dennoch nicht abgeschreckt weiterzumachen. Der Stress hat seine Spuren hinterlassen aber wir "wuchsen zusammen" während dieser Phase.

Die Arbeit reisst nicht ab.......

Wie gut, wenn man Helfer in der Familie hat! Hier beim Holzfällen.... Wir brauchten einen ganzen Tag um "läppische" 2 Tannen (mal eben kurz...) zu fällen.....

März 2001 - Das Haus steht - wir sind fast fertig......

Am 14.02.2001 kam Rüdiger in den Sinn ein Cabrio (selbstverständlich eines mit elektrischem Verdeck *smile*) zu kaufen. Dieses Foto entstand am 31.03.2001. Rüdi lehnt grinsend wie ein Honigkuchenpferd am neusten Hobby. Das Foto schoss (natürlich) mein kleiner Bruder.

Cabrio???? ok für' n Carport reicht's noch....

Im April 2001 waren wir endlich fertig mit Haus Garage, Carport und Garten. Die Garage brauchten wir damals für die Motorräder und so stand Ende April 2001 dann der fertige Carport über und neben der Garage.
Rüdi ist trotz Zeitmangel wegen Job, Haus und Garten und neuem Hobby Cabrio fahren immer wieder gerne auf's Motorrad gestiegen. An manchen Tagen denke ich, dass es besser gewesen wäre, wenn noch weniger Zeit zum Motorradfahren gewesen wäre, hätte er es vielleicht doch irgendwann aufgegeben und das alles wäre nie passiert... Dies klingt vielleicht egoistisch, aber wie bei allen Dingen im Leben braucht man immer auch ein Quentchen Glück bei einer Sache und es gibt Momente, wo dieses kleine Quentchen Glück plötzlich fehlt.


Unsere knuddelige Katze - auch sie ist nicht mehr da. Am 17. November 2001 starb unser Büsi an einem Lebertumor. Wie alles begann: Zunächst wollte ich überhaupt kein Haustier - Rüdiger war jedoch gleich Feuer und Flamme, als unser Freund Martin eines Tages fragte, ob wir Verwendung hätten für ein kleines Kätzchen, dessen Alter er selber nicht so genau bestimmen konnte, da er das Büsi ( anstatt Katze sagt man in der Schweiz überigens Büsi - daher der Name...) zwei Jahre zuvor selber als "Findling" aus Arosa ( ital. Schweiz) mitgebracht hatte. Und so hatten  Unser Büsi wich mir seit Rüdigers Tod keine Minute von der Seite und war damals der einzige Grund für mich, morgens aufzustehen und zu arbeiten.


Februar 2002 - Wie viele Tränen auch vergossen wurden, der Himmel sorgte dafür das diese nicht versiegten. Tagelang hatte es geregnet, das Kahltal war überschwemmt vom Dauerregen. Bald danach stand auch das Wasser im Keller unseres Hauses und ich stand alleine da...
Ab diesem Zeitpunkt dachte ich zum ersten Mal darüber nach, alles aufzugeben und ein neues Leben zu beginnen. Der 15.März 2003 war dann der Tag an dem ich schweren Herzens Abschied nahm. Heute nach den ganzen Jahren denke manchmal noch in Wehmut an unser Haus zurück. Es war ein Stück Heimat geworden. Nun sind nur noch die Erinnerungen geblieben.  


v.l.n.r. Ralf (Rüdigers kleiner Bruder), Markus, Rüdiger, Markus, Günter, Berthold, Frank und Thomas (falls jemand nicht will das sein Name hier genannt wird - bitte eine kurze Mail an mich, damit ich das korrigieren kann...)

In jedem Jahr gab es ein verlängertes Wochenende in dem die Jungs eine Motorrad-Tour mit Zelten veranstalteten. 9 Jahre war das Ziel der Harz in Norddeutschland. Zum 10jährigen Jubiläum in 2001 sollte die Tour erstmals durch Spessart, Odenwald und Taunus gehen.
Das Wetter war gut, die Stimmung auch. Es sollte das letzte Mal sein, dass alle so heiter und unbeschwert in die Kamera blicken.


Rüdiger starb am Freitag, den 22.06.2001, auf der L3004 auf dem Feldberg im Taunus bei einem Motoradunfall. Als Uhrzeit für den Eintritt des Todes protokollierte die Notärztin des Kreiskrankenhauses Bad Homburg 15:20 Uhr für die Sterbeurkunde. Ihre telefonische Aussage am 22.06.2001 um 23:20 Uhr: "Er hatte keinerlei Chance, die Verletzungen waren zu schwer".....Die Ärztin hatte die Wahrheit gesagt: Am 05.12.2001 wurden mir durch meinen Anwalt die Akten zugestellt. Was ich gelesen und gesehen habe, hat mich innerlich erfrieren lassen und sich unauslöschlich in mein Gehirn gebrannt. Rüdi war sofort tot. Er schlug mit dem Kopf seitlich ans Führerhaus des entgegenkommenden LKW's und wurde danach überrollt. Die Liste der Verletzungen ist endlos - mindestens 5 davon tödlich ( ....  Genick gebrochen, Schädel zertrümmert, Herz zerquetscht...) - Rüdiger hatte überhaupt keine Chance den Unfall zu Überleben...

Bis zum heutigen Tage konnte nicht geklärt werden, was genau am 22.06.2001 um 14:05 Uhr dazu geführt hat, dass Rüdiger mit meiner Yamaha R6 gestürzt ist und von einem entgegenkommenden LKW erfasst wurde. Die Gutachten und die Aussagen der Zeugen könnten nicht unterschiedlicher und widersprüchlicher sein. Das Motorrad ist bis zur Unkenntlichkeit zerstört, die Trümmerteile über einen Radius von über 200m verstreut, eine Rekonstruktion mittels Gutachten so gut wie aussichtslos. Immer wieder Fragen...Hat er noch gebremst oder nicht? Haben die Bremsen versagt? Was ist mit den Glühdrähten der Bremsleuchten - sie wurden nie gefunden...Ist die Gabel gebrochen? War noch jemand anderer an dem Unfall beteiligt? Wurde zu schnell gefahren? Es ist traurig und es zermürbt, wenn man diese Dinge allein, ohne Hilfe recherchieren muss. Ein solches Mosaik zusammenzutragen bedeutet nicht nur mit den gnadenlosen Fakten konfrontiert zu werden und diese verarbeiten zu müssen, das Entsetzen, die Trauer und den Zorn zu empfinden, sondern auch zu erkennen, dass das Leben und die Zeit die man zusammen verbringt etwas sehr kostbares ist.

"JEDER DANK FÜR UNSERE GEMEINSAME ZEIT WÄRE ZU KLEIN. DU BIST GEGANGEN UND HAST MEIN LACHEN MITGENOMMEN, DEINES FEHLT MIR SO SEHR."

Von ganzem Herzen danke ich meiner Familie, besonders meinen Eltern, meinen besten Freunden, sowie meinen lieben Nachbarn, für die Unterstützung und Zuwendung in der ersten ganz schweren Zeit. Ganz besonders möchte ich meiner Mutter danken, die mir geholfen hat wo immer sie konnte. "Du bist die Beste!!" -

Danke Danke Danke auch an meinen kleinen Bruder, der keinen Kilometer Autobahn gescheut hat, damit seine grosse Schwester nicht alleine ist und der viele Arbeiten am Haus und Garten erledigt hat ("Hallo Stefan, denkst Du auch noch an den Carport, den vielen Regen und das plärrende Radio?"...Rob Green, Radio FFH...).

Verständnis und Unterstützung habe ich ausserdem von meinen Kollegen erfahren, die trotz der 600 Kilometer Distanz  viele Dinge für mich erledigt haben, wenn ich Auszeiten in meinem Job brauchte, da mir jedwede längere Konzentration abhanden gekommen war und viele behördliche und familiäre Dinge auf mich einstürzten. "Hey Jongens, jullie zjin echt OK!" Es ist nicht immer leicht, auf solche räumliche Distanz zusammen zu arbeiten. Aber es klappt seit über 10 Jahren...

Ganz lieben Dank auch an meine Freundin und frühere Kollegin, die immer ein offenes Ohr für mich hat. Hallo "Schatzi", wir haben ja schon viel erlebt zusammen, es freut mich ungemein, das wir schon so lange befreundet sind - und das schon seit mehr als 20 Jahren - irre wie die Zeit vergeht.....

Das Leben verstehen kann man nur rückwärts, in die Zukunft schauen sollte man trotzdem. Dies tue ich! Rüdiger wird immer ein Teil von mir bleiben und somit Teil meines Lebens. Das Leben ging seit dem 22.06.2001 unerbittlich weiter. Wer mich kennt, weiss das ich so schnell nicht aufgebe. Es hat mich allerdings all meine Energie gekostet um wieder da zu stehen wo ich heute bin. Der Job, die Familie und mich selbst wieder zu stärken. Die Firma geht ins 14. Jahr - das Haus in Alzenau ist seit mehr als 8 Jahren verkauft, unsere neue alte"Villa Kunterbunt" seit 2005 bewohnbar und ich gebe mir alle Mühe das zu tun, was ich immer getan habe: Nach vorne zu blicken und mit solch einer Art die eigene Trauer zu meistern natuerlich auch zu riskieren, sich im Internet zu sehr zu exhibitionieren. Aber, was soll ich sagen: Es tangiert mich nicht mehr:-)

 


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